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Ayinger Cup 2009 - Teil 2:
Wie alles begann!

Jubiläumsfeiern sind ja so eine Sache – oftmals enden sie mit Verstimmungen, wenn nicht im zwischenmenschlichen Bereich, so doch meistens im Verdauungstrakt. Was also war zu erwarten anlässlich des 20-jährigen Bestehens einer Fußballertruppe, die ihren Vereinssitz aus rein wirtschaftlichen Gründen von Beilstein nach München und inzwischen nach Aying verlegt hat?

Der Reihe nach: Am 26. September 2009 traf sich mittags ab 12:00 Uhr auf dem flachen Ayinger Land eine Gruppe meist nicht mehr ganz so junger Männer mit nicht mehr ganz intakten Körpern, um Fußball zu spielen und Bier zu trinken. Das Wetter war – typisch für Aying – erst naturtrüb, um dann in ein strahlendes Frühlingsbier-hell aufzuklaren. Alles war angerichtet.

Nach großem Begrüßungs-Hallo der diversen Teammitglieder, die sich zum Teil seit langem nicht mehr gesehen haben, zum Teil bisher noch gar nicht kennen gelernt haben, ging es zu den wichtigen Dingen des Lebens über:

a) Ansprache des Teamchefs
b) Anzapfen durch den Hauptsponsor
c) Auslosen der Flaschen-Teams durch den Team-Nachwuchs.

Nachdem im Zuge der Auslosung auch dem Letzten klar wurde, dass das mit dem Kicken nun doch mehr als ein Vorwand fürs Biertrinken war, und sich nun in Schale zu werfen an der Zeit ist, wurde das Turnier eröffnet durch einen Vertreter der schwarzen Zunft.

Gleich zu Beginn des Turniers zeigte sich, dass der menschliche Körper nach Jahren des Raubbaus seinen Tribut fordert: So fiel erst Harry aus (Muskel hat zugemacht), dann Rubi (Achillessehne hat „zack“ gemacht). Gut, dass wenigstens ein Beinahe-Arzt (Schützmichl) und ein Pfleger (-Sepp) vor Ort waren. Traurig, mitansehen zu müssen, dass der Kader durch den Einsatz emsiger Sanitäter dezimiert wurde. Aber – und das war irgendwie auch beruhigend – selbst im Schmerz zeigt die Flasche ihre wahre Größe: Unvergesslich, wie Sportsfreund Rubi mit Pornobrille und schmunzelndem Gesichtsausdruck die zwei Sanitäter bei ihren verzweifelten Bemühungen beobachtete, die 95 Kilo Lebendgewicht auf die Trage zu stemmen.

Warum aygentlich Aying? Diese Frage hat sich so manche Alt-Flasche gestellt. War es eine rein kommerzielle Entscheidung? Hat der Sponsor nicht nur das Team, sondern gleich auch das Jubiläumsturnier gekauft? Nach der spektakulären Übernahme von youtube und facebook nun ein weiterer Wirtschaftscoup? Ein genialer Schachzug von Ayinger-Bräu, um auf dem schwer umkämpften Markt der social communities Fuß zu fassen? Weit gefehlt!

Im Verlauf der Begrüßung durch Teamchef Uli ist schnell klar geworden, warum Aying und nicht etwa Beilstein oder München der Ort der Bestimmung ist. Der Grund ist – wie sollte es auch anders sein – eher transzendentaler Natur: So wie der Hindu sich das Nirwana als finalen Zustand der Reinkarnation vorstellt, so wie der Buddhist die Einheit von Jing und Jang als höchste Form der seelischen Harmonie anstrebt – so ist für Herrn Kellner und sein Flaschenensemble die Einheit von Ay und Jing der Idealzustand der Seele. Hier sieht er sein Karma-Malz auf der höchsten Stufe der menschlichen Existenz erfüllt. Das treibt ihn an zu körperlichen Höchstleistungen: so etwa zum kolportierten Traumtor, das leider nur von ausgewählten Jüngern beobachtet wurde, die den Ball mit gebetsmühlenhaften „Jetzt geh’ halt rein“-Bitten ins Kreuzeck gewünscht haben, auf dass des Teamchefs Seele und Torquote nun endlich Ruhe finden mögen im seligen Aying.

Es treten in loser Folge auf: Menschen mit schnittigen Verkleidungen in Form von schicken Orthesen der Marke Don-Joy et al. Ferner solche mit Melonen-Trikots und solche mit selbst bemalten, Hand-gebatikten, Atmungs-passiven Jerseys aus grauer Vorzeit. Was verbindet diese Menschen? Was führt sie an diesem Ort zusammen am Tag vor einer richtungsweisenden Bundestagswahl, wo der Besuch von informativen Wahlkampfveranstaltungen doch erste Bürgerpflicht wäre? Diese Menschen haben anscheinend schon gewählt: Es ist dies die landesweite große Koalition aus Bier und Fußball.

Aber auch in Aying bleiben die wichtigen, gesellschaftspolitischen Themen nicht außen vor: die demografische Katastrophe in Form einer überalterten Gesell-/Mannschaft; explodierende Kosten im Gesundheitswesen durch Sportverletzungen, etc. Was kann hier Anlass zur Hoffnung geben? Ziemlich viel, so kann man sagen, angesichts eines seltsamen Turnierverlaufs: So gibt es nicht nur den jüngsten Torschützen in der Flaschen-Geschichte zu verzeichnen (mit vier „Glocken“ – O-Ton Käptn - in einem Turnier, womit die Quote manches der Altvorderen locker eingestellt wurde), nein auch eine Reihe von jungen Qualitätsfußballern wie Ralph, Nacho und anderen, die Anlass für die Hoffnung auf eine goldene Zukunft geben. Wobei an dieser Stelle durchaus erwähnt werden darf, dass die junge Garde noch gewisse Defizite aufweist: So war etwa dem Sportsfreund Frieder noch eine gewisse fehlende Wettkampfhärte anzumerken. Nur dank der großzügigen Regelauslegung durch den Unparteiischen Murat konnte eine eigentlich unumgängliche Verwarnung wegen unsportlichen Verhaltens (vulgo: Schwalbe) im Spiel gegen die Wambos vermieden werden. Merke: Anders als beim Golf ist beim Fußball meistens der Gegenspieler der Schläger. Aber ungeachtet etwaiger Misstöne: Hier wächst etwas zusammen. Auch wenn inakzeptable Laktat-Werte (Ceyhan), ein inakzeptabler Body-Mass-Index (Ceyhan) und ein inakzeptabler Free-Mass-Index (Helmut) manchem Beobachter die Schweißperlen und die Sorgenfalten auf die Stirn trieben.

Leidige Chronistenpflicht: am Ende hatten – wie die Prognosen vorausgesehen haben – die Genschmänner die Ohren vorn – um damit das Wahlergebnis vom kommenden Sonntag vorwegzunehmen. Gelb war die Farbe der Sieger, während vier Flaschen-Teams, ein Melonen- und ein Glashaus-Team das Nachsehen hatten. Aber was heißt hier Nachsehen? Nach 20 Jahren Flinke-Flaschen muss es eher heißen: Es gab keine Sieger, nur Überlebende. Und die, die dabei waren, haben noch lange nach Turnierende von alten Zeiten geschwärmt („Weißt Du noch, damals….“) und von neuen Zeiten geschwärmt („Geil, dass die Bayern heut’ in Hamburg eins aufn Sack bekommen…“).

Eine Grußbotschaft erreichte die Flaschen-Equipe derweil aus Frankfurt, wo Herr Adorno dem feierlichen Anlass gemäß säuselte: „Es gibt kein richtiges Leben ohne Flaschen.“ Wie wahr. Und die, das hat man unlängst in Aying mit ansehen dürfen, die, die kriegen den Hals auch nach 20 Jahren noch nicht voll! Zum Wohl!

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